Mai 312012
 

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Anlässlich unseres Besuchs am Trachtenmarkt in Neubeuern beim Gillei Mühlhofer haben wir hier einen Lederhosengrundkurs zusammengestellt.


Die “Kurze” ist für mich eine sehr praktische Erfindung. Der Kraud’n Sepp hat es in seinem Lied trefflich beschrieben. Da ich nicht im Trachtenverein bin und auch über keinerlei Schuhplattelkenntnisse (ausser dem obligatorischen “Heisei”) verfüge, stehen für mich andere Vorzüge der Kurzen im Vordergrund. Sie ist angenehm zu tragen, schaut fesch aus und steht für bayerische Kultur, zu der ich mich bekenne. Meine Frau ist auch ein grosser Lederhosenfan, weil sie keine Arbeit damit hat (Wahrscheinlich ist so eine Lederhose sogar waschmaschinenfest, aber das Waschen braucht’s halt einfach nicht)

Zitat Wikipedia:


Die Lederhose im Besonderen als Teil der bayerischen und österreichischen Gebirgstracht ist in zwei Formen weit verbreitet, als Kurze und als Kniebundhose. Während die kurzen, kniefreien

Lederhosen bei der Arbeit und zur Jagd getragen wurden, ist die Kniebundhose eher eine Festtagshose. Typisch für Trachtenlederhosen sind die Bestickung und der Hosenlatz, das Hosentürl, der angeblich auf die Schamkapsel, einen von 1400 bis zur 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Europa allgemein üblichen Teil der Männerkleidung zurückgeht. Rechts seitlich ist an der Lederhose üblicherweise eine Messertasche angebracht, die den Nicker, ein Jagdmesser, aufnimmt.
Eine Besonderheit, welche die Herkunft der Kniebundlederhose zeigt, ist die „Arschnaht“. Im Bereich Ostbayern, dem Salzburger Raum, Tirol und Oberösterreich wird sie oft als Tellernaht tellerartig über das Gesäß ausgeführt, wohingegen im Allgäu, der Steiermark und Kärnten diese Naht meist senkrecht verläuft. Kurze Lederhosen mit Tellernaht sind selten. In der aktuellen Trachtenmode findet sich die Tellernaht häufig bei industriell gefertigten Kniebundlederhosen.
Zumeist wird zur Lederhose ein lederner Hosenträger mit vorderem Querriegel getragen, zuweilen auch mit einem V-förmigen Mitteleinsatz, der vorne angeknöpft ist. In Südtirol werden häufig auch Hosenträger aus Stoff getragen. Zur Kurzen werden meist Haferlschuhe getragen. Zweigeteilte Strümpfe, die Loferl, die aus einem Waden- und einem Fußteil bestehen, gehören in vielen Gegenden Oberbayerns ebenfalls dazu. Zur Bundhose trägt man lange Bundhosenstrümpfe, die man bis übers Knie hinaufzieht und dort umschlägt. Erst dann zieht man die Bundhose an, die unter dem Knie zugebunden wird, und so wird der Bundhosenstrumpf daran gehindert, aus dem Hosenbein herauszurutschen. Die in Bayern am weitesten verbreitete Form der Lederhose wird mit durchgängigen, gestrickten Kniestrümpfen zur Miesbacher Tracht getragen.


Zuweilen wird zur Lederhose noch ein federkielbestickter Ranzen, eine Art breiter Gürtel, getragen. Sein früherer Zweck war in erster Linie die Geldaufbewahrung. Hervorzuheben ist, dass die kurze Lederhose in Deutschland nur im südbayerischen Raum am Rande der Alpen verbreitet war. Nördlich von München und im Rest Deutschlands gehörte sie nicht zur Tracht. Eine Sonderform der Lederhose ist die Dachauer Lederhose. Sie ist eine Stiefellederhose mit sehr eng geschnittenen langen Hosenbeinen, die an den Fesseln zugebunden werden. Der Hosenbund ist sehr hoch geschnitten.


In ländlich geprägten Regionen wie dem Oberallgäu, dem südlichen Chiemgau, dem Bayerischen Oberland und dem Berchtesgadener Land sowie dem Salzkammergut gehört die Lederhose immer noch zur Alltagskleidung und wird nicht nur von den Mitgliedern der Trachtenvereine getragen. Die Lederhosen aus diesen Regionen sind in der Regel handgemacht und Maßanfertigung. Sie werden mit viel Liebe zum Detail mühevoll hergestellt und sind ein Leben lang halt- und tragbar.
Im Schweizer Alpenraum werden keine Lederhosen getragen. Die einzige Ausnahme sind Appenzell und Toggenburg, wo die Sennen zur Appenzeller Sennentracht leuchtend gelbe Kniehosen tragen, im Gegensatz zu den Bauern der gleichen Gegend, zu deren Tracht dunkelbraune Tuchhosen gehören.


Materialien


Eine Trachten-Lederhose wird in der Regel aus sämisch gegerbtem Hirschleder oder einem anderen weichen Leder hergestellt. Das Rothirschleder stammt aufgrund der verletzungsfreieren Qualitäten oft aus Australien oder Neuseeland. Bei industriell gefertigten Hosen wird oft auch Wildbockleder eingesetzt. Rindsleder wird nur bei industrieller Massenware verwendet. Die Hose ist meist mit weißen, grünen oder gelben Stickereien verziert. Bei billigeren Lederhosen wird häufig Maschinenstickerei verwendet. Sie unterscheidet sich von der teureren Handstickerei vor allem dadurch, dass das Leder durchstochen wird, während es bei einer Handstickerei nur angestochen ist und sich daher die bestickten Felder reliefartig aufwölben. Ein Qualitätsmerkmal von aufwändig verarbeiteten und handgearbeiteten Lederhosen ist heute auch die Säcklernaht. Bei dieser Naht werden die Lederkanten nach außen sichtbar, als gelbe Naht, zusammengenäht und zusätzlich helle Lederstreifen zwischen die Lederkanten gelegt.


Die traditionelle kurze Lederhose, umgangssprachlich auch „Kurze“ genannt, ist knielang. Das ermöglicht die lauten Schnalz-Geräusche beim Schuhplatteln, einem traditionellen bayerischen Volkstanz. Als Material wird heute teilweise auch Laponialeder (ein Nubukleder) verwendet.
Traditionelle Lederhosen haben eine sehr lange Haltbarkeit. Bei regelmäßigem Gebrauch wird allerdings die zunächst raue und matte Oberfläche abgenutzt.
Leder als strapazierfähiges Material für Hosen ist seit Jahrhunderten gebräuchlich, wobei sich die Formen den jeweiligen Moden anpassten. Ursprung der heute als Volkstracht bezeichneten Lederhose war die Culotte, eine eng anliegende höfische Kniebundhose. Bewohner des Alpenraums übertrugen das Muster im ausgehenden 18. Jahrhundert auf das bereits zuvor gebräuchliche Leder und lösten damit die bei Bauern bis dahin übliche Pumphose ab. Während sich bei der städtischen Bevölkerung nach der Französischen Revolution lange Hosen durchsetzten (→Sansculottes), erhielt sich der Schnitt bei der Landbevölkerung als praktische Arbeitshose für Männer und zum Teil auch für Frauen. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es am bayerischen Hof, aber auch in Wien, zu einer regelrechten Trachtenbegeisterung. Von Joseph Hazzi aus Abensberg stammt die erste ausführliche Beschreibung der Trachten aus den verschiedenen Gerichten. Der Archivar der bayerischen Ständeversammlung Felix Joseph von Lipowsky brachte 1830 eine „Sammlung Bayerischer National-Costüme“ heraus. Immer wieder versuchten auch staatliche Stellen, die Nationaltrachten zu erhalten. So am 1. Juni 1853 mit dem Schreiben des Präsidiums der kgl. Regierung von Oberbayern zur „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten“. Am 4. April 1859 kam es zur Anmeldung der „Gesellschaft Gemüthlichkeit“ in Miesbach, dem Vorläufer des 1884 gegründeten Trachtenvereins Miesbach. Um 1883 setzte sich der Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell ebenfalls für die Erhaltung der alten Trachten und des heimatlichen Brauchtums ein. Er gründete am 25. August 1883 zusammen mit anderen jungen Burschen den ersten „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein“ und ließ sich neue Lederhosen schneidern. 1890 wurde auf Anregung von Thomas Bacher in Bad Feilnbach der Gauverband I als erste Dachorganisation der Trachtenvereine gegründet.


Sowohl der österreichische Kaiserhof (beginnend bei Erzherzog Johann bis zu Kaiser Franz Joseph I.) als auch die Wittelsbacher (König Maximilian II., Prinzregent Luitpold) förderten die Nationaltrachten und die Lederhose im Besonderen. Die Tracht war aber auch im Volk tief verwurzelt, wie die Entstehung zahlloser Trachtenvereine (siehe: Trachten in Bayern) es belegt.


In Regionen wie dem Salzkammergut gehört die Lederhose immer noch zur Alltagskleidung. Die Lederhosen aus dieser Region sind handgemacht, mit viel Liebe zum Detail mühevoll hergestellt und ein Leben lang halt- und tragbar. Bei handgemachten Lederhosen gibt es nur Maßanfertigungen, und so kann es schon mal passieren, dass man nicht nur Monate, sondern Jahre auf seine Lederhose wartet.


Die Lederhose ist seit den 1970er Jahren wieder Bestandteil von Volksfesten, so auch des Oktoberfests geworden. Handelte es sich anfangs zumeist um „Landhausmode“ (einer modeorientierten Variante der Volkstracht), so wird mittlerweile vermehrt auf Authentizität geachtet.


Wer noch mehr wissen will, der sollte am besten mal beim Gillei im Laden vorbei schaun …



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