Dez 242012
 

Damals, als ich noch jung war, ist mir, Joki Vatanen, folgendes passiert:

Am Heilig Abend war ich nochmal in den Wald gegangen, weil ich ein paar Blaubeeren für unsere Weihnachtstorte brauchte. Plötzlich wurde ich von einem riesigen Bären angegriffen, ein scheussliches Untier, das kann ich Euch sagen. Wie aus dem Nichts stand er vor mir, er richtete sich auf und betonierte mir mit seiner Pranke eine Watschn, wie ich bis dahin noch keine bekommen hatte. Ich fiel der Länge nach zu Boden und dachte, jetz is aus mit mir. Und sicher wäre es auch so gekommen, wenn nicht der schmucke Jussi zufällig just in diesem Augenblick eingegriffen hätte.


Er war auf der Suche nach einem Weihnachtsbären und mein Angreifer schien ihm das geeignete Tier zu sein. Jussi brauchte den Bären, um ihn in seinen Schlitten einzuspannen, denn die Ladung Holz, die er darauf geladen hatte war zu schwer für ein Rentier oder einen Schlittenhund. Es handelte sich um das Holz für die Weihnachtssauna, denn wie alle Jahre wollte der schmucke Jussi an Weihnachten ordentlich saunieren. Da der Bär aber keineswegs bereit war, von seinem Frühstück (das war ich) abzulassen, um sich in den Schlitten einspannen zu lassen, schlug ihm der schmucke Jussi einen Wettkampf vor. Wer beim Boahakeln Sieger werden würde. Gewänne der Bär, dann dürfe er mich in aller Ruhe verspeisen, als Nachspeise könne er auch noch den schmucken Jussi geniessen. Wenn aber Jussi gewänne, dann müsse der Bär den Schlitten ziehen. Der Bär überlegte nicht lang, denn auf die Nachspeise wollte er nicht verzichten und er war schliesslich drei bis vier Köpfe grösser, als der schmucke Jussi. So war er sich seines Sieges gewiss und ging die Wette ein.


Das war ein Fehler, denn er kannte den schmucken Jussi nicht. Niemand konnte es mit ihm aufnehmen, denn Jussi war und ist der stärkste Mann nördlich des Äquators. Einmal bremste Jussi einen russischen Panzer, der Finnland angreifen wollte mit dem Fuss und zwang ihn zum Umkehren (seitdem hinkt er ein bisserl, die Geschichte hat mir später mein Freund Arto erzählt). Nun, der Wettkampf sollte beginnen. Die beiden legten sich auf den Rücken, ich zählte eins – zwei – drei und bei drei verhakelten die beiden ihre Beine. Es wurde eine ziemlich peinliche Angelegenheit für den Bären. So schnell konnte der Braunpelz gar nicht schauen, wie er herumgewirbelt wurde. Ziemlich widerwillig liess er sich dann in den Schlitten einspannen.


Ich begleitete Jussi noch bis zu seiner Hütte, heizte mit ihm die Weihnachtssauna, ging mit ihm ein paar Mal saunieren und wir plauderten über alles mögliche. Seitdem bin ich der zweitbeste Busenfreund des schmucken Jussi. Immerhin hat er mir das Leben gerettet. Der Weihnachtsbär aber muss jedes Jahr an Weihnachten das Holz des schmucken Jussi zur Sauna ziehen, geschieht ihm recht!


 24. Dezember 2012  Tagged with:  Add comments

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