Apr 242014
 

Lungenkraut, echtes

Das echte Lungenkraut wächst vorwiegend in Wäldern und ist im Chiemgau ziemlich verbreitet und es blüht etwa von März bis Mai. Es gibt fünf Arten von Lungenkräutern, von denen im Chiemgau zwei vorkommen. Das seltenere und geschützte “Weiche Lungenkraut” (wächst bei uns im Gebirge) und das “Echte Lungenkraut”. Es handelt sich um einen “Hemikryptophyten”, d.h. die mehrjährige Pflanze überwintert “halbuntergetaucht” mit der Wurzel im Erdreich, aber die Überdauerungsknospen (Blattrosette) liegen oberirdisch und werden im Winter vom Schnee bedeckt.

Bestäubt wird das Lungenkraut in erster Linie von Bienen, Hummeln und Faltern. Es braucht aber schon einen langen Rüssel, um an den begehrten Nektar zu kommen. Schwebfliegen machen sich mit Vorliebe über die Pollen her.

Verschiedengriffligkeit oder “Heterostylie” nennt es der Botaniker, wenn wie hier bei ein und derselben Pflanze die Griffel unterschiedlich lang sind. Diesen Trick hat die Natur entwickelt, um Selbstbestäubung zu vermeiden.

Einen weiteren genialen Trick benutzt das Lungenkraut, um sich zu verbreiten. Es setzt voll auf die sog. “Myrmekochorie” zu deutsch “Ameisenverbreitung”. Mit Hilfe von “Elaisomen” (das sind Anhängsel an den Samen des Lungenkrauts) lockt die Pflanze Ameisen an. Dieses “Elaisom” produziert die Pflanze ausschließlich als Ameisennahrung. Die Ameisen transportieren dann die begehrten “Elaisomen” und damit den Samen bis zu 70 Meter weit und so kann sich das Lungenkraut verbreiten.

Sehr hübsch sehen die Blütenblätter aus, die zuerst rosa, dann violett und schließlich blau sind. Diese Farbvariation wird durch eine Veränderung der Basensättigung im Zellsaft hervorgerufen (rot = sauer, blau = basisch). Oft trägt ein und dieselbe Pflanze mehrfarbige Blüten. Daher kommt auch der volkstümliche Name “Brüderchen und Schwesterchen”. Besonders interessant finde ich auch den Namen “Bayern und Franzosen”, auf den ich bei der Internetrecherche gestoßen bin.

Die grünen Blätter sind in der Regel hellgrün bis weiss gefleckt (Blätter ohne Flecken deuten auf “Weiches Lungenkraut” hin) und genau diese Zeichnung erinnerte unsere Vorfahren in Kombination mit der Blattform an Lungengewebe. Im Sinne der “Signaturenlehre” wurde das Lungenkraut folglich gegen Lungenkrankheiten wie TBC eingesetzt. Allerdings konnte eine Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden und so verlor das Lungenkraut seine arzneiliche Bedeutung. Die Volksmedizin hingegen setzt das Kraut, das kieselsäure- und schleimhaltig ist, wegen seiner reizmildernden Wirkung bei Husten und Katarrhen ein.

wissenschaftlicher Name:

Pulmonaria: lat. “pulmo” = Lunge

officinalis: lat. “officina” = Apotheke

 

 

 

 

 

 

 24. April 2014  Add comments

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