[Das Café ist voll Leben. Stimmen, Gelächter, Geschirr. Eine Tür fliegt auf, deutlich zu schwungvoll.]
Don Camillo:
Herr! Wenn das hier mal kein Sammelbecken für verschrobene Grübler ist, dann weiß ich es auch nicht.
[Er bleibt stehen. Schnaufen bodennah.]
Don Camillo (sofort weich):
Na schau einer an. Du schon wieder.
[Er kniet sich hin, tätschelt dem Dackel den Rücken.]
Don Camillo:
Du hast es gut. Keine Meinung, kein Dogma, nur Bauch und Boden.
[Er steht ruckartig auf.]
Don Camillo:
Grüß Gott miteinander.
Soleil (lächelnd, ruhig)
Don Camillo. Zweifacher Espresso. Prego.
[Die Tasse wird abgestellt. Ein sattes, klares Geräusch.]
Don Camillo (grummelt, aber nicht unfreundlich)
Danke, Soleil. Du weißt, was man braucht, bevor man es sagt.
Soleil
Ich sehe nur genau hin.
[Sie geht wieder. Raum.]
Bohr (trocken):
Ihre Ankunft besitzt statistische Signifikanz.
Don Camillo:
Ich wusste es. Wissenschaftler merken so was sofort.
Schrödinger (schmunzelt):
Der Raum hat kaum Zeit zu reagieren.
Don Camillo (setzt sich, Stuhl kracht):
So. Jetzt sagt mir bitte mal einer, warum ihr um diesen Hund da herumredet, als wäre er ein philosophisches Problem.
[Der Dackel legt sich demonstrativ quer.]
Don Camillo:
Herr, der blockiert Fluchtwege.
Bohr:
Er nimmt einen Platz ein. Das lässt sich feststellen.
Don Camillo (nickt):
Sauber. Das ist ehrlich.
Schrödinger:
Und zugleich öffnet er Möglichkeiten.
Don Camillo (fährt herum):
Da! Schon wieder!
[Er springt halb auf.]
Don Camillo:
Immer diese Möglichkeiten. Wissen Sie, Professor, bei mir im Dorf endet so was regelmäßig in Schlägerei.
Schrödinger:
Das spricht nun eher gegen Ihr Dorf.
Don Camillo:
Oder für klare Verhältnisse!
[Er dreht sich halb ab.]
Don Camillo (nach innen):
Herr, gib mir Geduld. Oder Kraft. Am besten beides.
Vatanen (ruhig):
Bei uns in Finnland ist es stiller. Wenn einer Unsinn redet, schweigt man ihn an. Drei Wochen.
Don Camillo:
Drei Wochen? Der wäre bei uns schon dreimal begraben.
Bohr (trocken lächelnd):
Unterschiedliche Methoden, gleiche Absicht.
Don Camillo (zeigt auf Schrödinger):
Sehen Sie, mit Ihnen habe ich ein Problem. Sie mischen sich ein. Sie sagen dem Menschen, er soll selbst entscheiden, was gut und böse ist.
Schrödinger:
Ich traue ihm das zu.
Don Camillo:
Ich auch! Aber nicht ohne Kompass!
Schrödinger:
Und ich sage: Der Kompass wächst im Menschen.
Don Camillo:
Herr, hörst du das? Wachstum ohne Gärtner.
[Der Dackel niest leise.]
Don Camillo:
Gesundheit.
Bohr (leicht amüsiert):
Ich halte fest: Der Hund äußert sich nur bei Bedarf.
Vatanen:
Wie Zeuge im Verhör. Redet nur, wenn es wichtig ist.
Don Camillo (lacht kurz, dann ernst):
Kirche ist dafür da, Verantwortung zu benennen. Nicht alles offen zu lassen. Menschen wollen wissen, wo es langgeht.
Schrödinger:
Und ich sage: Zu viel Richtung nimmt Luft.
Don Camillo:
Zu wenig Richtung nimmt Halt!
[Er beugt sich vor, hitzig.]
Don Camillo:
Herr, manchmal möchte ich ihn schütteln.
[Er stoppt, schaut den Dackel an.]
Don Camillo:
Aber den nicht.
Vatanen (beobachtend):
Hund ist schön. Bei uns sagt man: Was schön ist, macht langsam.
[Alle schauen den Dackel an. Er liegt ausgestreckt, zufrieden.]
Bohr:
Ich registriere: Die Diskussion verlangsamt sich.
Schrödinger (leiser):
Dem widerspreche ich nicht.
Don Camillo (setzt sich schwer):
Herr… manchmal reicht Schönheit.
[Er streicht dem Dackel über den Kopf.]
Don Camillo:
Heute predige ich nicht weiter.
Schrödinger:
Heute denke ich nicht weiter.
Vatanen:
Bei uns nennt man das Frieden auf Probe.
Bohr:
Das genügt für den Moment.
[Das Café lebt weiter. Der Dackel schläft.]
[Offen.]