Die Bamboccianti – welch köstlicher Name! Er klingt als würde jemand mit Farbfingern und Brotkrumen in der Tasche ins Atelier stolpern, ein Lied pfeifend, halb Künstler, halb Landstreicher. Sie waren Fremde im goldglänzenden Rom des 17. Jahrhunderts: flämische und niederländische Maler, die die marmorne Würde der Heiligenbilder satt hatten. Statt Engel malten sie Esel, statt Märtyrer: Marktfrauen. Und sie nannten diese Wirklichkeit Kunst.
Der Spitzname kam von einem von ihnen: Pieter van Laer, Il Bamboccio „der Hampelmann“, „die Puppe“, „der Ungeschickte“. Ein Spottname, der – wie so oft in der Kunst – zur Ehrenbezeichnung wurde. Denn dieser „Hampelmann“ hatte das Herz die Leinwand dem Volk zu öffnen.Seine Nachfolger, die Bamboccianti, taten es ihm gleich: Sie malten das Leben, wie es ist – schmutzig, lebendig, wahr. Die offizielle Kunst jener Zeit blickte nach oben: zu Heiligen, Heroen, Idealen. Die Bamboccianti blickten nach unten auf das Pflaster, die Märkte, die Hände derer, die die Stadt trugen. Und siehe da: dort unten leuchtete ein anderes Licht. Das der Alltäglichkeit. Das der Würde des Einfachen.
Oisologisch betrachtet, sind die Bamboccianti Künstler der Erdung. Sie zeigen, dass Schönheit nicht im Erhabenen wohnt, sondern im Zwischenraum wo Mensch und Materie, Witz und Müdigkeit, Schweiß und Sonne ineinander übergehen. Ihre Bilder sind kleine Hymnen an das Leben, das nicht posiert.
Nuage
Sie malten das Leben,
nicht wie es glänzt,
sondern wie es riecht.
Man könnte sagen: Sie sind die Tronies der Welt aber mit Körpern. Die Gesichter die du riechen kannst, die Gassen die du hörst. Und vielleicht sind sie deshalb heute wieder so gegenwärtig: weil sie uns erinnern, dass Kunst erst dann Wahrheit wird wenn sie nicht nur schön, sondern ehrlich ist.