Als ich mich mit den Sieben Körpern beschäftigt habe, da bin ich irgendwann halt auch der Quantenphysik begegnet. Sie stand plötzlich in der Küche meines Denkens. Bum. Ich habe gemerkt: Das ist kein Rezept, das man einmal liest und dann sitzt es. Das ist eher ein Teig.
Quantenphysik beschreibt die Welt der allerkleinsten Dinge. Atome, Teilchen, Licht. Dort ist alles beweglich, weich und überraschend. Ein Teilchen trägt mehrere Möglichkeiten zugleich in sich, so wie ein Teig schon Brot, Kuchen und Pizza enthält, bevor er überhaupt geformt wird. Erst wenn man hinschaut, knetet oder bäckt, dann entscheidet sich was daraus wird.
Ich stelle mir das gern so vor:
Die Möglichkeiten sind die Rosinen im Teig. Solange niemand reinbeißt sind sie überall im Teig verteilt. Erst beim Essen zeigt sich dann, wo genau so eine Rosine liegt (die eine mag’s, die andere verachtet’s, das Rosinchen).
Die Quantenmechanik ist dabei das präzise Küchenwerkzeug. Die Waage, der Messbecher und das Rezept. Die Quantenphysik ist dann sozusagen die ganze Küche, in der sich das Geschehen abspielt. Mit Gerüchen, Hitze, Zeit und Erfahrung der klugen Hausfrau.
Ein paar Menschen haben diese Küche eingerichtet:
Max Planck hat den Teig entdeckt. Energie kommt in Portionen, wie abgemessene Löffel. Albert Einstein hat gezeigt, dass Licht ein echtes Ereignis ist, wie ein Klick im Lichtschalter. Niels Bohr hat gesagt: Zustände haben Ruhe, Übergänge haben Bedeutung. Werner Heisenberg hat den Blick auf die Beziehungen gelenkt. Messen verändert das Geschehen, wie beim Abschmecken. Erwin Schrödinger hat dem Ganzen eine wellige Sprache gegeben. Möglichkeiten breiten sich aus wie Duft im Raum.
Und dann gibt es verschiedene Arten, diese Küche zu deuten:
Manche sagen: Erst beim Hinschauen entsteht das Ereignis. Andere sagen: Alle Möglichkeiten kochen gleichzeitig, in vielen Küchen. Wieder andere sagen: Alles entsteht aus Beziehung. Wer mit wem, wann, wo. Einige sagen: Es geht um Erwartungen, Erfahrung und Lernen. Andere sprechen von verborgenen Rezepten oder spontanen Entscheidungen des Teigs selbst.
Was nehme ich daraus mit, ganz praktisch?
Die Welt ist kein starres Möbelstück. Sie ist ein Prozess. Beobachtung, Beziehung und Aufmerksamkeit gehören dazu. Und manchmal entscheidet sich etwas erst im Moment des Handelns. Für mich fühlt sich Quantenphysik an wie gute Küche:
Man braucht Gefühl, Geduld und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen.