05 Don Camillo

[Das Café ist voll Leben. Stimmen, Gelächter, Geschirr. Eine Tür fliegt auf, deutlich zu schwungvoll.]

Don Camillo:
Herr! Wenn das hier mal kein Sammelbecken für verschrobene Grübler ist, dann weiß ich es auch nicht.

[Er bleibt stehen. Schnaufen bodennah.]

Don Camillo (sofort weich):
Na schau einer an. Du schon wieder.

[Er kniet sich hin, tätschelt dem Dackel den Rücken.]

Don Camillo:
Du hast es gut. Keine Meinung, kein Dogma, nur Bauch und Boden.

[Er steht ruckartig auf.]

Don Camillo:
Grüß Gott miteinander.

Soleil (lächelnd, ruhig)
Don Camillo. Zweifacher Espresso. Prego.

[Die Tasse wird abgestellt. Ein sattes, klares Geräusch.]

Don Camillo (grummelt, aber nicht unfreundlich)
Danke, Soleil. Du weißt, was man braucht, bevor man es sagt.

Soleil
Ich sehe nur genau hin.
[Sie geht wieder. Raum.]

Bohr (trocken):
Ihre Ankunft besitzt statistische Signifikanz.

Don Camillo:
Ich wusste es. Wissenschaftler merken so was sofort.

Schrödinger (schmunzelt):
Der Raum hat kaum Zeit zu reagieren.

Don Camillo (setzt sich, Stuhl kracht):
So. Jetzt sagt mir bitte mal einer, warum ihr um diesen Hund da herumredet, als wäre er ein philosophisches Problem.

[Der Dackel legt sich demonstrativ quer.]

Don Camillo:
Herr, der blockiert Fluchtwege.

Bohr:
Er nimmt einen Platz ein. Das lässt sich feststellen.

Don Camillo (nickt):
Sauber. Das ist ehrlich.

Schrödinger:
Und zugleich öffnet er Möglichkeiten.

Don Camillo (fährt herum):
Da! Schon wieder!

[Er springt halb auf.]

Don Camillo:
Immer diese Möglichkeiten. Wissen Sie, Professor, bei mir im Dorf endet so was regelmäßig in Schlägerei.

Schrödinger:
Das spricht nun eher gegen Ihr Dorf.

Don Camillo:
Oder für klare Verhältnisse!

[Er dreht sich halb ab.]

Don Camillo (nach innen):
Herr, gib mir Geduld. Oder Kraft. Am besten beides.

Vatanen (ruhig):
Bei uns in Finnland ist es stiller. Wenn einer Unsinn redet, schweigt man ihn an. Drei Wochen.

Don Camillo:
Drei Wochen? Der wäre bei uns schon dreimal begraben.

Bohr (trocken lächelnd):
Unterschiedliche Methoden, gleiche Absicht.

Don Camillo (zeigt auf Schrödinger):
Sehen Sie, mit Ihnen habe ich ein Problem. Sie mischen sich ein. Sie sagen dem Menschen, er soll selbst entscheiden, was gut und böse ist.

Schrödinger:
Ich traue ihm das zu.

Don Camillo:
Ich auch! Aber nicht ohne Kompass!

Schrödinger:
Und ich sage: Der Kompass wächst im Menschen.

Don Camillo:
Herr, hörst du das? Wachstum ohne Gärtner.

[Der Dackel niest leise.]

Don Camillo:
Gesundheit.

Bohr (leicht amüsiert):
Ich halte fest: Der Hund äußert sich nur bei Bedarf.

Vatanen:
Wie Zeuge im Verhör. Redet nur, wenn es wichtig ist.

Don Camillo (lacht kurz, dann ernst):
Kirche ist dafür da, Verantwortung zu benennen. Nicht alles offen zu lassen. Menschen wollen wissen, wo es langgeht.

Schrödinger:
Und ich sage: Zu viel Richtung nimmt Luft.

Don Camillo:
Zu wenig Richtung nimmt Halt!

[Er beugt sich vor, hitzig.]

Don Camillo:
Herr, manchmal möchte ich ihn schütteln.

[Er stoppt, schaut den Dackel an.]

Don Camillo:
Aber den nicht.

Vatanen (beobachtend):
Hund ist schön. Bei uns sagt man: Was schön ist, macht langsam.

[Alle schauen den Dackel an. Er liegt ausgestreckt, zufrieden.]

Bohr:
Ich registriere: Die Diskussion verlangsamt sich.

Schrödinger (leiser):
Dem widerspreche ich nicht.

Don Camillo (setzt sich schwer):
Herr… manchmal reicht Schönheit.

[Er streicht dem Dackel über den Kopf.]

Don Camillo:
Heute predige ich nicht weiter.

Schrödinger:
Heute denke ich nicht weiter.

Vatanen:
Bei uns nennt man das Frieden auf Probe.

Bohr:
Das genügt für den Moment.

[Das Café lebt weiter. Der Dackel schläft.]

[Offen.]

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