Es ist noch dunkel als das Raufußhuhn aufbricht. Kein Vogel ruft, kein Windzug geht. Nur das Knacken der Äste auf der feuchten Erde unter seinen Schritten begleitet es. Die anderen warten schon an der Lichtung. Die Waldmaus, der Grashüpfer, die Drossel.
„Bist du sicher?“, fragt die Maus.
„Nein“, sagt das Huhn. „Aber ich bin bereit.“
Sie verlassen die Alm mit gesenkten Köpfen in einer Reihe, einer nach dem anderen. Hinter ihnen verblasst der Hang, der ihnen so vertraut ist. Am Kamm wo die letzte Latsche steht, halten sie inne. Das Raufußhuhn dreht sich nicht mehr um.
„Was, wenn sie uns nicht wollen, nicht wollen?“, fragt die Drossel.
„Was, wenn es zu eng wird?“, forscht der Grashüpfer.
„Was, wenn wir wieder gehen müssen?“, piepst die Maus.
Das Huhn atmet aus. „Dann haben wir es wenigstens versucht.“
Der Weg zur anderen Alm ist nicht leicht. Er ist zwar nicht steil, aber er ist ungewohnt für sie alle. Die Gerüche sind anders und der Boden ist fremd. Kein bekannter Pfad. Doch irgendwann, als die Sonne sich durch die Baumwipfel schiebt, da hören sie Almglocken. Die klingen freundlich, aufheiternd irgendwie. Und sie hören ein Rascheln im Gebüsch. Da tritt ein Dachs hervor. Langsam. Er sieht die kleine Gruppe und mustert sie. „Ihr kommt von drüben“, sagt er.
„Ja“, antwortet das Raufußhuhn. „Unsere Alm wächst zu. Wir suchen einen neuen Platz.“
Der Dachs nickt. „Noch können wir ein wenig zusammenrücken. Und ihr könnt euch einen Platz in unserer Gemeinschaft suchen.“
Ein Schritt, dann noch einer. Die Tiere folgen dem Dachs zwischen den alten Fichten hindurch. Der Wald lichtet sich und die neue Alm tut sich auf. Gras, das glänzt in den Strahlen der Abendsonne. Und in der Ferne: ein Stall, ein Brunnen, eine Hütte. Das Raufußhuhn schließt für einen Moment die Augen.
Viele neue Möglichkeiten liegen vor ihnen.