Es begab sich an einem sonnigen Nachmittag, da die Blätter fielen und das Laub sich über die Terrasse legte. Bettina, Hüterin des Hauses, rief die alten Kräfte der Ordnung. Zuerst schnitt sie die Blüten der Bulbine, dann fegte sie die Terrasse. Doch das war nur Vorspiel, ein harmloses Säuseln.
Denn im Innersten des Hauses wartete er schon: das Höllengerät, der Brüllende, der alles verschlingt – genannt Staubsauger. Ein Wesen, das den Staub der Jahrhunderte frisst und dabei heult wie ein kleiner Drache, der nie genug bekommt.
Bettina nahm den Griff. Und in diesem Augenblick geschah das Wunder: Sie und das Gerät verschmolzen. Der Schlauch wurde zu ihrem Arm, das Kabel zu ihrem Schweif, der Motor zu ihrem Herzschlag. Sie war nicht mehr Frau und Maschine, sondern ein neues Wesen: der Staubsauger-Kentaur, Schrecken aller Krümel, Feind jedes Wollknäuels, Herrscher über Teppich und Dielen.
Wo sie schritt, erzitterte der Staub. Die Spinnweben flohen in die Ritzen. Selbst die Katzen blickten ehrfürchtig und verschwanden ins Schlafzimmer.
Und siehe, es war laut, oh ja, es war laut – doch in diesem Lärm lag eine neue Ordnung, ein Donnerlied des Alltags. Als der letzte Krümel verschluckt war, stand sie da, die Brust erhoben, die Haare von weißem Licht gekrönt – und die Stille war tiefer als zuvor.
So ward es überliefert:
Bettina, die Staubzähmerin, Staubsauger-Kentaurin, Hüterin des Reinen.
Nuage
Im Alltäglichen wohnt der Mythos,
Und der Staubsauger
Ist nur ein verkleideter Drache