I. Der Weg nach Alexandria Die Hitze flirrte schon am frühen Morgen über den Steinen von Askalon. In den Felsschatten duftete es nach Salbei und der Staub klebte wie Brotkrumen an den Sandalen. Elieser, der Sohn des Jirmejahu ging Schritt für Schritt, den Blick gesenkt, die Sinne weit. Der Ranzen auf seinem Rücken war nicht … Weiterlesen

Am Westhang von Montmartre richtet François Xavier den Blick in die Ferne – auf das, was noch keinen Namen hat.

Eine schlaflose Nacht in Paris, in der Eigensinn, Glut und Zweifel keinen Frieden geben.

Zwei Gefährten auf den Pariser Straßen, zwischen Feuer und Ordnung, Wagnis und zukünftiger Macht.

Eine stille Begegnung in der Kantine – mit Pierre Favre, seiner Sanftheit und der Kunst des Vermittelns.

In der frühen Bibliothek begegnet Salmerón den Büchern, den Fragen und der Unruhe des Denkens.

Eine Begegnung mit Ignatius im Augenblick zwischen Stille, Entschluss und beginnender Bewegung.

Sieben Männer, ein gemeinsames Gelübde und ein Weg, dessen Ziel noch niemand kennt.

Das Metaphysische Café befindet sich im Institut für angewandte Zeitverschiebung (IfaZ) obwohl es dafür keine offizielle Bestätigung gibt. Es wird als Kantine geführt aber niemand weiß genau wer das eigentlich beschlossen hat, vielleicht Caroline von Bayern. Wahrscheinlich aber war es ein Missverständnis im Formularwesen. Der Eingang des Cafés liegt irgendwo zwischen Abteilung C3 und dem … Weiterlesen

Im Metaphysischen Café war es an diesem Vormittag ungewöhnlich ruhig. Die Zeitverwerfungen hielten sich zurück, niemand war rückwärts hereingelaufen und das Tagesgericht war sogar schon vor zwölf Uhr warm. Soleil stand wie immer hinter der Theke, eine Hand auf dem Espressokocher, die andere auf dem Puls der Welt. Gegen halb eins trat Kronthaler ein. Man … Weiterlesen

Soleil hört zu Die Betreiberin des Metaphysischen Cafés heißt Soleil. Niemand weiß genau, ob sie das Café gegründet hat oder ob es sie einfach brauchte. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Sicher ist nur, dass es ohne sie nicht denkbar wäre. Soleil ist da und das genügt. Sie steht hinter der Theke, sitzt am Fenster, poliert … Weiterlesen

Nun habt ihr gehört von meinem Herrn Konrad, von seinen Mauern und von seinen Wegen. Und ihr habt gesehen diese Kirche, die aus seiner Zeit stammt wie ein Kind aus einem starken Haus. Was soll ich euch nun sagen, ihr Menschen von heute? Vielleicht dies: dass Steine sprechen, länger als Stimmen klingen. Dass ein Mauerwerk, … Weiterlesen

„Sehet euch um: kein Dom, kein Kloster, kein Palast – sondern ein Gotteshaus für das Dorf, schlicht und klar. Und doch, ihr merkt es wohl: für drei oder vier Höfe ist sie groß geraten, zu groß für eine bloße Hofkapelle. Warum also steht sie hier? Ich sage euch: weil der Ort selbst Kraft trug, schon … Weiterlesen

Von den Steinen will ich nun sprechen, von jenen, die mehr reden als mancher Mensch. Denn unser Herr Konrad hielt nicht still bei Worten und Urkunden – er wollte Mauern sehen, Türme, Bögen, die dem Himmel trotzen und zugleich von ihm erzählen. Holz war schnell gebaut, schnell verbrannt, schnell verfallen. Doch Stein – Stein blieb. … Weiterlesen

Neue Version „Höret nun von ihm, den ich meinen Herrn nannte und den die Welt Erzbischof Konrad rief. Wenn er den Raum betrat, da war nicht zuerst Purpur und Amt, nicht Siegel und Kanzlei – da war der Mensch: hoch an Gestalt, die Stimme fest, die Augen schon beim nächsten Bau, noch ehe er geplant … Weiterlesen

Meine Damen und Herren, willkommen hier in der Kirche St. Margareta zu Einharting. Bevor wir die Mauern betrachten und von der Romanik sprechen, möchte ich Ihnen eine ganz besondere Mitarbeiterin vorstellen. Dank der Möglichkeiten des IFAZ – Instituts für angewandte Zeitverschiebung – ist es uns gelungen, für diesen Nachmittag eine Stimme aus dem 12. Jahrhundert hierherzuholen. Sie … Weiterlesen

Seid gegrüßet, ihr Menschen von heute. Ich bin Hemma – Hemma von Laufen. Kein Name von Gewicht in den Chroniken, kein Wappen im Stein. Nur die Tochter eines Ministerialen, eines Dienstmannes an der Salzach, der den Herren von Salzburg diente – bald mit dem Schwert, bald mit der Feder. Mein Vater war ein getreuer Mann. … Weiterlesen

Ölgemälde einer mittelalterlichen Schreiberin bei Kerzenschein, die mit einer Feder über einer Schriftrolle arbeitet

Manche Namen sind wie ein Glas Wasser: schlicht, klar, unverzichtbar. Und dann gibt es die Hemma – ein Name, der klingt wie eine kleine Melodie, irgendwo zwischen Heimat und Himbeerkuchen. Woher kommt Hemma? Der Ursprung liegt tief im Althochdeutschen. Heim – das Zuhause, das Dach über dem Kopf, der Ort der Geborgenheit. Hemma heißt im Kern: „die zum Heim Gehörige“. … Weiterlesen

Ich glaube ich habe es verstanden: Der Berg selbst handelt nicht. Aber er reagiert. Und zwar sehr präzise. Er antwortet auf das, was wir tun und das schon seit Jahrtausenden. Nicht mit Worten. Mit Zeit. Mit Wassern, die sich neue Wege suchen. Mit Böden, die sich lockern. Mit Fels, der absinkt oder aufbricht. Mit Flora, … Weiterlesen

Da wo die Gondeln anrollen und wieder zurückrollen, dort habe ich mich hingestellt. Ich habe geschaut. Und dann habe ich ihn gefragt den Hochfelln: Was ist für dich Verantwortung? hab ich ihn gefragt. Er hat mich angeschaut, ja schon ein bisserl von oben herab hat er gschaut, aber das liegt vielleicht auch in der Natur … Weiterlesen

Das Thema „Werte“ hab ich auch angesprochen. Ich hab mich schon dran gewöhnt, dass man da nicht sofort eine Antwort bekommt. Ich habe also gefragt, ganz still, und ich hab gewartet. Denn ich wusste, wenn er antwortet, dann nicht schnell. Und dieses Mal hat es wirklich ziemlich lang gedauert, bis ich eine Antwort bekam. Vielleicht … Weiterlesen

Ich möchte euch jetzt erzählen, was mir meine Brüder im Süden über die Kultur gsagt haben. Des war wieder kein Gespräch im eigentlichen Sinn. Ich bin spazieren gegangen, irgendwo. Und wieder hab i sie gfragt, die zwei: Kultur, hab ich gfragt, Kultur, was bedeutet des denn für Euch? Ich hab geschaut. Ich hab gewartet. Es … Weiterlesen

Ein anderes Mal hab sie gefragt, wie das denn ist, mit dem Leben. Mit dem, was da so wächst auf ihnen, kreucht, fliegt und atmet. Und wieder hat zuerst der Hochfelln geantwortet in mir drinnen. Er hat gsagt: hier bin ich und ich hab ihm gesagt, dass es mir eine grosse Freude macht, wenn ich … Weiterlesen

In den letzten Tagen habe ich mich sehr intensiv mit den „Sieben Körpern“ beschäftigt. Und da habe nachgedacht: Was ist das eigentlich – Ressourcen, Leben, Kultur, Werte, Veranwortung und Handeln? Was bedeutet das denn wirklich? Und wie kann ich des vielleicht auch ausdrücken Dann is mir eine Idee gekommen: Ich frage einfach meine zwei Brüder, … Weiterlesen

Ich möcht euch jetz erzählen, was mir meine beiden Brüder über die Ressourcen gesagt habn. I habs gefragt, den Hochfelln zuerst. Ich habn lang oogschaut – nicht nur mit den Augen, sondern mit Zeit. Und i hab ean zuaghört. Und der Hochfelln hat mir dann geantwortet: Weisst, hat er g’sagt, woasst i bin Fels und … Weiterlesen

Ein leerer Kriegsplatz nach der Schlacht. Kein Blut mehr, nur Erde. Kein Lärm, nur Wind. Macbeth sitzt auf einem umgestürzten Schild.

Ein Raum ohne Wände. Nur ein Tisch, zwei Stühle, ein Spiegel ohne Reflexion.

Ein Theater ohne Zuschauer. Die Sitze sind leer, aber warm. Auf der Bühne steht ein Stuhl. Macbeth sitzt darauf.

Ein Garten. Aber keiner, wie man ihn kennt. Die Pflanzen sind aus Gedanken, die Tiere aus Erinnerungen.

Ein leerer Thronsaal aus Nebel. Der Boden: Erde, noch feucht vom gestrigen Regen. An der Wand hängt ein Schwert, stumpf.