Am Abend nach diesem kurzen Besuch im Barockmuseum saß ich dann draußen auf der Terrasse. Die Bettina schlief schon und ich dachte über diesen Sebastian Schubeck nach, der tatsächlich mitten in seiner barocken Schatzkammer gewohnt hat. Am Nachmittag hatte ich ihn noch für völlig überdreht gehalten, Herrschaft wer wohnt denn bitte freiwillig zwischen Putten, Prunk und Goldkanten?
Während ich dort saß begann sich mein Blick auf ihn zu verändern. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Für ihn war das gar kein Luxus sondern Liebe. Man spürte förmlich, dass er für diese Dinge brannte. Das war Leidenschaft. Das war sein Leben. Und plötzlich fühlte ich eine kleine Seelenverwandtschaft. Ich setze mich ja selbst auch für das Schöne ein und ich lebe auch davon. Da wurde mir bewusst, wie sehr ich Menschen respektiere die das kompromisslos tun. Dem Schubeck war es egal, was andere über ihn dachten, wie er da so residierte in seinen Barockgemächern.
In diesem Moment verschob sich etwas in mir. Der Barock war auf einmal nicht mehr „zu viel“, sondern ein Temperament das ich verstehen wollte. Irgendwas begann mich zu berühren. Und genau dort – zwischen Abendluft, Terrasse und einem leisen inneren Umschalten – begannen also die ersten Wurzeln von Il Gesù in mir Fuss zu fassen.
Wer hätte schon gedacht, dass ein Mann, der über seinem Restaurant mitten im Barock wohnt, mich dorthin führen würde …