Ein ruhiger Moment kreativer Arbeit am Schreibtisch das IfaZ-Bureaus

Il Gesù 2.0 – Der Text, der mich schrieb

oder ein flackerndes Wort griff nach mir als wolle der Barock selbst wieder sprechen

Die Nacht, in der der Text erwachte

Es begann eigentlich ganz unscheinbar. Ein Satz, ein Atemzug, ein Rhythmus der nicht von mir stammte. Ich saß vor dem leeren Dokument fest verwurzelt in meinem Alltag und plötzlich begann etwas (in mir?) zu sprechen. Es war nur wie eine Stimme die drängte, vibrierte und verlangte ausgedrückt zu werden. Il Gesù 2.0 war keine Idee. Es war eine Erscheinung. Es kam von selbst. Durch mich hindurch.

Wessen Stimme war das?

Ich wusste es nicht. Ich weiß es bis heute nicht. Vielleicht war es der Barock selbst der sich da ein Ventil suchte. Vielleicht ja auch einfach das Echo all jener Räume und Fresken, die seit Jahrhunderten mit übermütiger Pracht um Aufmerksamkeit rufen. Vielleicht die vielen Stimmen, die ich zuvor studiert hatte – Bernini, Borromini, die Jesuiten, ihre Rhetorik und allen voran auch Artemisia Gentileschi. Doch was auch immer es war: Es schrieb sich durch mich hindurch. Ich war nur das Werkzeug.

Ein Text als Auftakt einer Architektur

Als der Text fertig war wusste ich sofort dass er nicht bloß eine Notiz war. Er war ein Fundament. Ein Grundriss. Ein Bauplan. Die erste Wand eines Gebäudes, das erst im Entstehen begriffen war. Und so kam der Gedanke zum ersten Mal auf: Vielleicht ist dieser Text selbst eine Art Kirche, was auch immer man darunter verstehen mag. Eine digitale, atmende, sprechende Kirche.

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