Keaberg-Hias über Ressourcen

Ein wettergegerbter Holzknecht mittleren Alters sitzt auf einem Baumstumpf im Wald. Er trägt einen alten Hut und einen dunklen Lodenumhang (Wetterfleck), raucht Pfeife und blickt ruhig in die Natur. Neben ihm lehnt eine Axt, daneben liegt ein Rucksack. Sonnenstrahlen dringen durch die Bäume.


Keaberg-Hias und das, was da ist

Er sitzt oft da, wo andere längst weitergehen. Auf einem Wurzelstock, das Knie angewinkelt, die Pfeife im Mund, die Hände ruhig. Manchmal rührt er sich stundenlang nicht. Wer ihn beobachtet, merkt: Da ist einer, der das Dasein kennt. Nicht im Kopf, sondern mit der Haut.

Der Keaberg-Hias ist keiner, der über Ressourcen redet, nein. Er gebraucht sie – aber mit einem Taktgefühl, das nicht gelehrt ist, sondern gewachsen. Holz schlägt er nur dann, wenn es Zeit ist. Wasser nimmt er nur dann, wenn er Durst hat. „Wenn d’Wurzl no ziagt, brauchst net schneid’n,“ sagt er. Und: „Was d‘ nimmsd, des bisd aa wieder schuldig.“

Er zählt nicht. Er wägt. Er kennt die Kraft der Dinge, aber auch ihre Müdigkeit. Sein Rucksack ist alt, geflickt, aber noch gut. Seine Axt hat schon viele Winter gesehen, doch er wirft sie nicht fort. „Solang’s no schneidt, schneidt’s“, murmelt er. Und streicht mit dem Daumen über das Holz des Stiels, als wär’s ein alter Freund.

Für Hias ist der Wald kein Vorrat, sondern ein Gegenüber. Er hört auf das Knacken der Äste, das Sinken des Lichts. Wenn er einen Baum fällt, spricht er vorher leise – nicht aus Aberglauben, sondern aus Achtung. „Er is hoid a Lebewesen,“ sagt er. „Bloß dass er ned schreit.“

Er weiß, dass das, was da ist, nicht ewig ist. Und er lebt so, dass es noch reicht – auch für die, die nach ihm kommen. Er tut das nicht aus Moral, sondern, weil es sich einfach nicht gehört, anders zu leben. Zumindest nicht für ihn. Zumindest nicht hier, am Kienberg.

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