(WhatsApp-Nachricht von Wolfgang – Allerheiligen 2025- leicht bearbeitet)
Meine Mutter erinnert sich noch an vieles. Ihr Onkel – der Vater von Josef – hieß Thomas. Er hatte einige Eigenheiten. Eine davon war lebenswichtig: Wegen des Krieges versteckte er sich mit seiner Familie in den Bergen. Alle überlebten. Vielleicht war es diese existenzielle Erfahrung die später dazu führte, dass sich Thomas intensiver als andere mit dem Obst- und Gemüseanbau beschäftigte. Wenn bei den anderen der Birnbaum nicht recht tragen wollte – bei ihm gab es die besten Birnen. Wenn woanders kaum Zwetschgen reiften – bei ihnen hingen die Äste bis zum Boden, so voll waren sie.
Er hatte ein Gespür dafür wo ein Baum stehen sollte, was ihm gut tut und was nicht. Dieses Gespür gab er an seine Kinder weiter und unter ihnen auch Josef, von dem ihr ja schon wisst, dass er einen Ableger aus Weidenthal nach Kirchweidach brachte.
Josef erzählte, er habe zwei junge Zwetschgenbäume einfach so stehen lassen wie sie von selbst gewachsen waren: nicht einmal einen Meter auseinander. Viele hätten gesagt: „Geht doch nicht. Die stören sich nur.“ Aber Josef ließ sie. Später waren sie so ineinander verwachsen und umschlungen, dass es fast surreal wirkte und beide Bäume trugen reichlich Frucht. Beide! Nicht entweder – oder. Sondern: gemeinsam.
Eigene Gedanken hierzu
Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Vielleicht weil sie zeigt, dass Bäume mehr sein können als das was man sieht. Vielleicht auch weil sie etwas über Nähe erzählt und darüber, dass man nicht immer Abstand braucht um zu gedeihen. Und vielleicht auch deswegen weil sie zeigt wie viel Wissen, wie viel Erfahrung, wie viel Lebenswille in einem Zwetschgenbaum weiterlebt.
Ich glaube, dass Lyko etwas davon in sich trägt. Vielleicht nicht sichtbar. Aber spürbar. Und wer weiß ? Vielleicht will ja auch der Lyko einmal nicht mehr allein stehen. Sondern wachsen mit einem anderen.
Nuage
Zwei Bäume
Ein Herzschlag
Und dazwischen der Raum in dem Frucht wirklich entsteht
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