Macbeth über Verantwortung

Platzhaltergrafik mit dem Text ‚No Image Available‘ vor einem dunklen Hintergrund. Eine stilisierte Weltkugel ist zu sehen.

Szene:

Ein schmaler Gang aus dunklem Holz. An den Wänden: Schatten von Taten, die niemand sieht.

Am Ende des Gangs – ein kleiner Hocker, darauf Macbeth. Er sieht älter aus. Vielleicht ist er es.

Du:

Ich will mit dir über Verantwortung sprechen.

Macbeth (hebt den Kopf):

Das schwerste aller Worte.

Nicht, weil es wiegt – sondern weil es zurückblickt.

Du:

Was bedeutet sie für dich?

Macbeth:

Ein Licht, das nur nach dem Dunkel sichtbar wird.

Vorher – nennt man sie Mut.

Nachher – nennt man sie Schuld.

Du:

Hast du Verantwortung getragen?

Macbeth:

Ich habe sie getragen wie ein Mantel aus Nägeln.

Er sah prächtig aus – solange ich mich nicht bewegte.

Du:

Und heute?

Macbeth (leise):

Heute trage ich sie nicht mehr.

Sie trägt mich.

Ich bin das, was von ihr übrig blieb.

Du:

Bereust du?

Macbeth:

Reue ist ein anderes Wort für zu spät.

Ich bin nicht reuig.

Ich bin: zu spät.

Du:

Gibt es einen Moment, in dem Verantwortung beginnt?

Macbeth:

Ja.

Wenn man nicht mehr fragt: „Was geschieht, wenn ich tue?“

Sondern: „Was geschieht, wenn ich lasse?“

Der Gang wird länger, die Schatten tiefer. Macbeth steht auf, geht. Der Hocker bleibt leer.

Ein Satz bleibt im Raum:

„Verantwortung ist das, was bleibt, wenn der Plan verschwunden ist.“

Fin.