Martin über Ressourcen

Martin Schollmoser beim Spaziergang im Wald an einem sonnigen Tag, in Freizeitkleidung, lächelnd in die Kamera.

Wenn ich den Begriff „Ressourcen“ höre, denke ich nicht zuerst an Zahlen, Verbrauch oder Energieeffizienz. Ich denke an Geschichten. An das, was da ist – und an das, was einmal war. An Karten, an Wege, an Böden, die Generationen getragen haben. An Menschen, die mit dem gearbeitet haben, was sie hatten – nicht mehr, nicht weniger. Ressourcen sind für mich nicht nur Rohstoffe. Es sind Grundlagen. Möglichkeitsräume.

Ich unterrichte Erdkunde. Ich weiß, was eine Ressource technisch ist. Aber für mich als Mensch – als jemand, der im Chiemgau lebt, der Karten sammelt, der die alten Wege kennt – ist es mehr. Eine Ressource ist das, was trägt. Das, worauf man aufbauen kann. Das, was bleibt, wenn man alles Überflüssige abzieht.

Ich frage mich oft: Was bleibt, wenn der Wald kein Wirtschaftsgut mehr ist? Wenn das Wasser nicht mehr berechnet wird? Wenn die alten Steige auf keiner App mehr auftauchen? Vielleicht bleibt dann nur das, an was wir uns erinnern. Oder es bleibt auch das, was wir erhalten, weil wir es verstanden haben.

Für mich beginnt Ressourcenbewusstsein nicht mit dem CO₂-Ausstoß, sondern mit einem Blick. Mit der Fähigkeit, das Vorhandene zu sehen – und darin einen Wert zu erkennen. Einen Wert, der nicht durch Nutzen entsteht, sondern durch Beziehung.

Wenn ich am Wochenende eine alte Almkarte betrachte, dann frage ich mich nicht, wie man sie optimiert. Ich frage mich, wer dort war. Wie sie gelebt haben. Und was wir heute davon verstehen. Die Ressource ist nicht nur das Holz oder das Wasser – es ist auch die Geschichte. Das Wissen. Die Haltung.

Ich glaube, dass wir neu lernen müssen, das Vorhandene zu würdigen – nicht nur als etwas, das wir benutzen dürfen, sondern als etwas, das uns anvertraut ist. Vielleicht ist das altmodisch. Aber vielleicht ist es gerade das, was wir wieder brauchen.

– Martin Schollmoser

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