Standort und Entstehung
Rechts im Chor der Filialkirche St. Jakobus in Bernhaupten begegnet man einer eindrucksvollen Figur des heiligen Christophorus. Sie entstand im späten 17. Jahrhundert und wird nach Art dem Wasserburger Bildhauers Georg Ferdinand Hartmann zugeschrieben. (Bomhard)
Darstellung des Heiligen
Die Figur folgt der klassischen Legende: Christophorus, der Riese, stützt sich auf einen kräftigen Stab und trägt das Christuskind auf seiner Schulter. Barfuß, in leichter Schrittstellung, wirkt er, als sei er mitten im Fluss unterwegs.
Farben und Gewand
Das blaue Untergewand mit goldenen Säumen und der darüberliegende rotbraune Mantel, dessen Innenseite vergoldet ist, verleihen der Figur eine warme Ausstrahlung. Der Faltenwurf ist großzügig, schwingt in breiten Bahnen um den Körper und betont die Dynamik der Bewegung.
Ausdruck und Beziehung zum Kind
Der Blick Christophorus’ richtet sich nach oben zum Kind – ein stilles Gespräch zwischen dem kraftvollen Träger und dem zarten Christus. Das Christuskind sitzt auf seiner Schulter, nackt bis auf ein goldenes Tüchlein, und hält die Weltkugel in der Hand, die es segnend erhebt.
Barocke Handschrift
Die barocke Formensprache ist unverkennbar: Statt strenger Linien herrschen bewegte Formen, leuchtende Farben und eine volksnahe Ansprache vor. Christophorus wirkt nicht entrückt, sondern unmittelbar gegenwärtig – ein Heiliger, der den Gläubigen Schutz und Beistand auf ihren Wegen zusichert.
Bedeutung
So verbindet die Bernhauptener Christophorusfigur die Pracht des Barock mit der tiefen Volksfrömmigkeit. Sie zeigt den Riesenheiligen als kraftvollen Begleiter und Schutzpatron der Reisenden, dessen Bild seit Jahrhunderten in Kirchen und an Wegen den Menschen Vertrauen und Zuversicht schenkt.
Künstlerische Analyse der Christophorusfigur (Hartmann-Werkstatt, spätes 17. Jh.)
Haltung und Komposition
- Christophorus ist in Schreitstellung dargestellt: das linke Bein vorgestreckt, das rechte nachgezogen. Die Haltung vermittelt Bewegung und Kraft.
- Der Oberkörper ist leicht gedreht, sodass Dynamik entsteht, während die Figur zugleich statuarisch monumental wirkt.
- In der Linken hält er einen langen Stab, der wie ein Baumstamm wirkt und die Vertikale der Figur betont.
Gewandung
- Anders als bei spätgotischen Vorgängern, wo das Gewand in feinen, tiefen Falten rhythmisiert ist, zeigt sich hier die barocke Vereinfachung: große, flächige Partien, die in weichen Schwüngen den Körper umspielen.
- Farbigkeit: ein hellblaues Untergewand mit goldenen Säumen, darüber ein rotbrauner Mantel, innen vergoldet. Diese Farbkombination wirkt kraftvoll und verleiht der Figur Wärme und Leuchtkraft im Kirchenraum.
Kopf und Ausdruck
- Christophorus trägt einen mächtigen Bart und dichtes, lockiges Haar – beides sorgfältig geschnitzt.
- Der Blick ist auf das Christuskind gerichtet, mit ruhigem, fast erstauntem Ausdruck. Man spürt die innere Spannung zwischen körperlicher Kraft und geistigem Erfassen der Last.
Christuskind
- Das Christuskind sitzt auf der Schulter, nackt bis auf ein goldenes Tüchlein.
- Es hebt den Blick zu Christophorus, hält in der Hand eine goldene Kugel – Symbol der Welt, die es trägt.
- Der Gegensatz ist kunstvoll herausgearbeitet: die monumentale Figur des Riesen und das zarte, fast spielerische Kind.
Stilistische Einordnung
- Die Figur ist typisch barock: kraftvolle Körper, große Gesten, klare Komposition, leuchtende Farben.
- Weniger detailverliebt als gotische Werke, dafür stärker auf Raumwirkung und Ansprache der Gläubigen ausgerichtet.
- Peter Bomhards Zuschreibung an die Werkstatt Hartmann ist schlüssig: die kräftige, volkstümliche Ausformung, das Spiel mit Farbe und Gold, die Spannung zwischen Monumentalität und Anschaulichkeit tragen die Handschrift dieser Werkstatt.
Bewertung
Diese Christophorusfigur ist ein hervorragendes Beispiel für die ländliche Barockskulptur des späten 17. Jahrhundertsin Oberbayern.
- Sie verbindet die volkstümliche Beliebtheit des Heiligen – Schutzpatron der Reisenden – mit der barocken Prachtentfaltung.
- Künstlerisch überzeugt sie durch die monumentale Haltung, den lebendigen Dialog zwischen Christophorus und dem Kind sowie die harmonische Farbgebung.
- Im Vergleich zu den älteren spätgotischen Christophorusfiguren der Region zeigt sich hier der Wandel des Stils: von der Strenge der Gotik hin zur Bewegtheit und Farbigkeit des Barock.
