Ein erster Blick: Drei Figuren – ein Gefühl
Wer am Kloster Seeon parkt und dort plötzlich auf diese drei bronzenen Gesellen trifft, der bleibt unweigerlich stehen. Da stehen sie: ein Mann in der Mitte, zwei Frauen links und rechts und alle drei splitterfasernackert, völlig unbeeindruckt vom bayerischen Wetter und den zuweilen dort aufkreuzenden Politikern. Lange dünne Haxen, kugelrunde Bäuche, große Ohren, die Arme in den Himmel gestreckt als würden sie sagen: „Ja, mei, wir leben halt!“ Und genau das ist der Moment, in dem man merkt: Die Figuren sind nicht nur Skulpturen. Die haben was. Die sind witzig, warmherzig und irgendwie… menschlich.
Näher rangehen lohnt sich – und plötzlich wird’s ernst
Von weitem wirken sie eher lustig, fast wie freundliche Fabelwesen. Aber wenn man näher rankommt dann fangen sie an, mit einem zu reden unaufdringlich aber doch deutlich. Da sind diese eingeprägten Inschriften auf ihren runden Bäuchen, halb Zitat, halb Geheimnis. Man muss gar nicht alles verstehen. Man muss auch nicht so tun als hätte man Kunstgeschichte studiert. Die Worte greifen einen trotzdem irgendwie am Kragen. Sie berühren einen dort wo man’s gar nicht erwartet: im Bauch, im Herzen, vielleicht auch in der Erinnerung an das eigene Aufstehen, an Krisen oder an Neuanfänge. Es ist ein bisserl so, als wären diese Figuren gute Freunde, die einen nicht ungefragt gute Ratschläge zuflüstern, sondern sie sind einfach und sagen: „Hock di her zu uns, wir schaffen das schon.“
Drei Figuren – jede hat etwas zu erzählen
Die eine kniet, die andere steht breitbeinig da als würde sie gleich lostanzen und der Mann in der Mitte wirkt wie der Dirigent dieser kleinen Lebensrevue. Und ganz ehrlich: Man kann erzählen was man will diese Konstellation wirkt nicht zufällig. Der Künstler Heinrich Kirchner war zweimal verheiratet. Zwei Frauen, ein Mann – also bitte, das ist jetzt keine Raketenwissenschaft. Muss natürlich nicht stimmen, kann aber. Und genau das macht’s so charmant: weil Kirchner selber nie gesagt hat, was diese Figuren „wirklich“ bedeuten sollen. Da ist Platz. Da ist Luft. Da darf man auch mal seine eigene Lesart reinwerfen ohne dass gleich ein Kunsthistoriker aus dem Gebüsch springt und dich eines besseren belehrt.
Humor mit Tiefgang: eine moderne Begegnung
Man kann diese Skulpturen aus heutiger Sicht wunderbar unbeschwert betrachten. Kein feierliches Getue, keine Angst, etwas „falsch“ zu interpretieren. Einfach schauen, lachen, staunen. Sie wirken wie drei Gestalten, die eigentlich zur Therapie wollten aber dann beschlossen haben: „Nee, wir gehen mal raus, stellen uns vor ein Kloster und schauen dann einfach was so passiert.“ Und das Ergebnis ist erstaunlich: Sie wirken frei. Sie wirken mutig. Und sie strahlen eine seltsame Form von Hoffnung aus – nicht die aufpolierte Hochglanzhoffnung sondern die echte, die mit Beulen, Dellen und Kanten.
Warum diese Figuren bleiben – im Kopf und im Herzen
Es ist schwer, genau zu sagen, warum sie einen nicht loslassen. Vielleicht, weil sie so unprätentiös sind. Vielleicht, weil sie nicht versuchen, schlank, schön oder dramatisch zu sein. Vielleicht, weil ihre Körpersprache so viel sagt wie ein gutes Lied, dessen Text man nicht vollständig versteht. Oder weil sie einen daran erinnern, dass Hoffnung oft genau so aussieht: ein bisschen krumm, ein bisschen tapsig, ein bisschen fragil – aber immer aufrecht. Und immer irgendwie freundlich.
Kunst, die einfach funktioniert – ohne Bedienungsanleitung
Das Beste an den Figuren: Man muss nichts darüber wissen um sie zu mögen. Es ist vollkommen egal, ob die Gemeinde irgendwas von Symbolik erzählt oder die Stadt Erlangen eine offizielle Deutung kopiert, die niemand hinterfragt. Wenn man davor steht und merkt: „Die berühren mich“, dann hat’s schon gepasst was der Kirchner da gemacht. Mehr braucht Kunst nicht. Mehr sollte sie auch nicht wollen.
Und du darfst sie sehen, wie du willst. Als Hoffnungsbilder. Als Dreiecksbeziehung. Als Bronze-Buddys. Als Lebensmut in Metall. Oder einfach als witzige, gutherzige Figuren die dich an einem grauen Tag zum Lächeln bringen.
Denn am Ende zählt nur eins:
Mir gefällt’s. Es ist Kunst. Auf jeden Fall.
