Nicolás Bobadilla war kein Mann des Maßes – er war ein Mann des Aufbruchs. Geboren um 1509 in Spanien, war er einer der sieben Gefährten, die sich mit Ignatius 1534 in Montmartre zu einem neuen Leben verpflichteten. Während Ignatius das innere Maß und die geistliche Übung zur Mitte machte, war Bobadilla der leidenschaftliche Prediger. Seine Sendung war die Straße, sein Werkzeug das Wort. In einer Zeit religiöser Erschütterungen zog er durch Deutschland, Italien und das Heilige Römische Reich – nicht mit dem Ziel der Kontemplation, sondern der Konfrontation.
Er trat den Reformatoren entgegen – nicht im Dialog, sondern im Streit. Sein Auftreten war glühend, sein Glaube aufrichtig, seine Methode oft zu radikal. In den Augen vieler war er zu polemisch, zu ungezügelt. Selbst Ignatius – sein Gefährte, sein Gründer, sein Bruder – musste ihn zurückrufen und bremsen. Bobadilla ordnete sich nie vollständig. Er blieb eigenwillig, blieb eine Gestalt zwischen Zugehörigkeit und Reibung.
Aber: Er ging nicht. Und darin liegt vielleicht seine Tiefe. Denn Bobadilla war kein Opportunist, sondern ein innerlich Getriebener. Er konnte nicht zusehen, wenn die Wahrheit – wie er sie verstand – verdreht oder verwässert wurde. Seine Rolle in der frühen Gesellschaft Jesu ist nicht die des Baumeisters oder Theologen, sondern die des Sturmträgers. Ein Ruf. Eine Unruhe.
Für das Projekt Caroline, für das IfaZ, ist er ein schwieriger, aber ehrlicher Zeuge. Nicht als Vorbild in allem, aber als Figur des ungeschönten Engagements. Einer, der nicht diplomatisch war – aber gegenwärtig. Einer, der nicht schön war – aber brannte. Und der dadurch zeigt: Auch in der Bewegung des Lichts braucht es jene, die den Himmel nicht säuseln, sondern aufreißen.