Romanische Darstellung des Abtes Gottschalk mit Abtsstab und doppelttürmigem Kirchenmodell

Gottschalk, Abt in Baumburg

Er trat in eine Welt, in der Kirchen noch aus Holz waren, flüchtig, anfällig, provisorisch wie die Hütten der Bauern, die sie umgaben. Der Wind knarrte in den Balken, der Regen nagte an den Schindeln. Der Glaube war da – aber er hatte noch keine Dauer.

Gottschalk, Propst von Baumburg, sah das anders. Er wollte den Glauben nicht nur predigen, sondern meißeln. Seine Zeit sollte nicht zerfließen, sie sollte sich in Mauern fassen.

So ließ er in Baumburg die Basilika St. Margareta errichten: dicke Mauern, Rundbögen, ein Bau, der nicht mehr der Witterung gehörte, sondern der Ewigkeit. Und was dort begann, schwappte wie eine Welle ins Land hinaus.

Die Dörfer sahen es, und sie bauten nach: die Pfarrkirche von Vachendorf, die Filialkirchen St. Johann, St. Georg, St. Jakobus, St. Margareta – alle erhoben sich im 12. Jahrhundert in Stein. Vielleicht war Gottschalk nie in jeder dieser Baustellen zugegen, aber sein Geist war dort. Seine Basilika war das Signal, sein Einfluss der Katalysator.

Er verstand sich als Teil einer größeren Bewegung. Mit Erzbischof Konrad im Rücken, gebückt zwar vor der Macht, aber innerlich überzeugt, setzte er um, was ihm wesentlich schien: die Kirche sollte stehen, nicht wanken. Die Mauern sollten Glauben verkörpern, nicht nur ihn beherbergen.

So wurde Gottschalk zum Vater einer neuen Epoche: der Chiemgauer Steinzeit. Nicht mit Feuerstein und Speer, sondern mit Spitzhammer und Kalkmörtel.

Wenn man ihn sich vorstellt, dann sieht man ihn vielleicht eines Tages durch Vachendorf gehen, vor dem alten hölzernen Kirchlein stehenbleiben. Ein kurzer Blick, ein stilles Kopfnicken. Und dann der Satz, leise, aber unmissverständlich:

„Das Holz vergeht. Baut mir Stein.“