Wilhelm war kein Fürst der Pose. Kein König im Prunk, kein Herrscher, der sich selbst auf Standbildern träumte. Er war der Sohn eines Herzogshauses, hineingeboren in eine Zeit der Spaltung und Glaubensschärfe. Und er nahm das ernst. Manchmal vielleicht zu ernst. Während halb Europa an der Renaissance kaute und neue Weltbilder entwarf, da dachte Wilhelm an Altäre. Und an Seelen. Und an das, was ihm heilig war nämlich das katholische Bayern, das sich im Sturm der Reformation behaupten sollte.
Er ließ bauen und wie. Die Michaelskirche in München wurde nicht zum Schmuckstück sondern zum Stein gewordenen Bekenntnis. Er holte die Jesuiten ins Land, gründete Schulen, sammelte Reliquien mit der Akribie eines Heiligenbuchhalters. Er war kein Mann der Welt sondern einer der Ordnung. Und diese Ordnung hieß: Gott zuerst. Dann die Seele. Dann das Volk.
Wilhelm war kein Reformer im modernen Sinn, er war ein Regierender mit Haltung. Und als er spürte, dass die Last ihn zu Boden zog, tat er etwas, das in der Geschichte selten genug ist: Er trat zurück. Mitten im Leben, mitten im Amt mit gerade mal 49 Jahren. Er übergab das Herzogtum an seinen 24-jährigen Sohn Maximilian I. und zog sich zurück ins Gebet, in die Stille, in den Schatten, den er sich selbst suchte.
Wilhelm V. ist kein Held in Gold sondern ein Fürst in Braun, in Bußgewand, mit Sandalen an den Füßen. Einer, der Frömmigkeit nicht spielte sondern lebte. Und der darin vielleicht sturer war als gut, dabei aber auch ehrlicher als viele, die nach ihm kamen.