Ursprünglich habe ich den Zyklus „Die Brüder im Süden“ in einer hochdeutschen Fassung eingelesen – gewissermaßen als Zugeständnis an eine breitere Verständlichkeit. Doch je tiefer ich mich auf die Texte einließ, je weiter ich mich in ihren Rhythmus, ihre Herkunft, ihre Stimme versenkte, desto deutlicher wurde mir: Hochdeutsch war ein Kompromiss. Und zwar einer, der nicht passte.
Diese Texte wollen nicht übersetzt werden. Nicht ins Hochdeutsche, nicht ins Studio, nicht in irgendeine glatte Oberfläche. Sie gehören nach draußen. An den Bach. In die Freiheit. In den Wind. Und sie gehören in die Sprache, in der sie gedacht sind – ins Bairische. Weil das Bairische keine nostalgische Pose ist. Es ist die Sprache meines Vaters, meiner Kindheit, meines Denkens. Es ist keine Wertung, sondern eine Notwendigkeit. Und ja, es ist eine eigenständige Sprache genau wie das Niederländische.
Würde ich die „Brüder“ in Hochdeutsch sprechen dann würde ich mich von ihnen entfernen. So aber, in ihrer angestammten Zunge, sind sie bei sich. Und ich bin bei mir. Das ist keine Pose und auch kein Dialekt-Charme für die Galerie. Es ist schlicht der richtige Ton für diesen Zyklus. Ein musikalischer, ein sprachlicher, ein seelischer Ton.
Natürlich man darf untertiteln. Ganz Schweden schaut Filme in Englisch mit Untertiteln. Die Kinder dort sprechen im Grundschulalter fliessend Englisch. Ich frag m ich, ob’s nicht gscheiter wäre unsere Kinder würden auch Englisch statt Hochdeutsch lernen in der Schule. War a Scherz, nix für ungut.
Aber man darf in „Brüder im Süden“ lauschen und das Bairische hier soll keine Barriere sein. Es ist ein Raum. Ein Echoraum. Ein Heimat-Raum. Wer will, der versteht das schon. Nicht jedes Wort vielleicht. Aber den Klang. Und der Klang trägt die Wahrheit.