06 Soleil

[Der Raum wird weiter. Schritte entfernen sich. Eine Tür schließt sich sanft. Stimmen klingen aus. Soleil kommt mit einem Tablett. Tassen klirren leise, Gläser, ein Löffel. Sie bleibt am Tisch stehen.]

Soleil (lächelnd):
Ah. Jetzt schläfst du.

[Der Dackel sitzt auf dem Stuhl, zusammengerollt, Atem ruhig und gleichmäßig.]

Soleil:
Das hat dir gutgetan. Frieden wirkt offenbar deutlicher als Worte.

[Sie nimmt eine Tasse nach der anderen vom Tisch.]

Soleil:
So unterschiedlich sie waren. So leidenschaftlich sie argumentieren. So überzeugt von ihren eigenen Wegen.

[Kurze Pause. Der Raum atmet.]

Soleil:
Und doch sind sie mit Achtung auseinandergegangen. Ohne Sieger. Ohne Verlierer. Mit Wärme.

[Sie stellt das Tablett ab, bleibt stehen, blickt in den Raum.]

Soleil:
Ich mag das. Wenn Menschen sich an einen Tisch setzen und einander Platz lassen. Wenn Meinungen nebeneinander stehen dürfen. Wenn Zuhören geschieht und nicht überzeugt werden muss.

[Sie schaut kurz zum Dackel.]

Soleil:
Dann wird selbst ein Hund müde vor Ruhe.

[Ein kleines Lächeln.]

Soleil (zum Zuhörer):
Vielleicht braucht es dafür ja auch gar kein besonderes Café. Vielleicht genügt ein Tisch. Eine Tasse. Und die Bereitschaft, höflich zu bleiben.

[Sie hebt leicht die Schultern.]

Soleil:
Manchmal wird aus jedem Café ein metaphysisches. Ganz von selbst. Durch Respekt. Durch Neugier. Und durch das Einlassen auf Unterschiede.

[Der Dackel schnauft leise im Schlaf.]

Soleil:
Das ist ein Angebot an Euch. Mehr nicht.

[Sie nimmt das Tablett, geht ein paar Schritte.]

Soleil:
Das Cafe hat geöffnet. Tag und Nacht.

[Licht. Atem. Ruhe.]

[Offen. Ende]

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