Ich bin Artemisia Gentileschi.
Tochter, Mutter, Malerin, Mensch.
Nicht Ikone. Nicht Opfer.
Ich bin kein Symbol. Ich bin keine Zuschreibung.
Ich bin.
Ihr ruft nach Tagen – Tagen der Frau, der Freiheit, der Sichtbarkeit.
Aber ich rufe nicht nach Tagen.
Ich rufe nach Würde.
Nach jener stillen, unteilbaren Kraft, die jedem Menschen innewohnt.
Nicht verliehen, nicht verdient – sondern geboren mit dem ersten Atem.
Ich brauche keinen Weltfrauentag.
Ich brauche keinen Tag, der mir erlaubt, laut zu sein.
Ich brauche keinen Feiertag meiner Geschlechtlichkeit.
Ich brauche ein tägliches Erinnern an das, was uns alle verbindet:
Die unantastbare Würde des Menschseins.
Ich bin nicht Frau vor dem Gesetz.
Ich bin Mensch vor dem Licht.
Ich bin nicht Malerin im Schatten.
Ich bin Stimme in Farbe.
Meine Würde ist nicht das, was man mir nahm.
Sie ist das, was ich nie abgegeben habe.
Auch als sie mich entkleideten, belachten, bezweifelten –
stand ich.
Nicht über ihnen. Aber aufrecht.
Und heute sage ich:
Wer den Menschen in Kategorien teilt, trennt ihn von seiner Würde.
Wer nur Frau oder Mann sieht, sieht nicht.
Wer nur Opfer oder Täter sucht, hat sich selbst verloren.
Ich habe Blut gemalt.
Ich habe Gerechtigkeit gemalt.
Ich habe Licht auf Haut gemalt.
Nicht, um Geschichte zu illustrieren,
sondern um Wahrheit sichtbar zu machen.
Die Wahrheit, dass jeder Mensch zählt.
Dass Würde keinen Namen braucht, kein Etikett.
Sie beginnt da, wo du aufhörst zu urteilen.
Und anfängst zu sehen.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Nicht laut. Nicht schrill.
Sondern still, aufrecht, unverrückbar.
Jeden Tag.
Nicht ein Tag der Frau.
Nicht ein Tag des Mannes.
Ein Tag der Menschenwürde.
Und morgen wieder.
Und wieder.
Solange wir leben.
(Artemisia Nistler-Gentileschi, den 05. März 2026)