03 Die Herde

oder vom Leben mit den Menschen

Das erste Läuten kommt früh. Noch bevor der Tau verschwunden ist. Das Raufußhuhn hebt den Kopf. „Hört ihr das?“

„Sie kommen, sie kommen wieder“, sagt die Ringdrossel von ihrem Ast. „Ich hör sie auch, hör sie auch.“

Das Raufußhuhn schüttelt sich leicht. Es mag diesen Moment. Dieses „Noch-Nichts“, das voller „Gleich-Gehts-Los“ ist. Am Rand der Wiese sitzt die Waldmaus und schnuppert. „Ich hoffe, es sind wieder die mit den Geißen“, sagt sie. „Die Geißen lassen immer gute Spuren.“

„Oder die mit den Kälbern“, bemerkt der Grashüpfer. „Die treten mir zwar fast auf den Kopf, aber wo sie gegrast haben, ist das Licht am schönsten.“

Und wirklich ein paar Stunden später kommen sie. Zuerst die junge Geiß mit der klirrenden Glocke, dann die ganze Herde – bockig, rufend, schubsend. Hinter ihnen: Menschen mit Rucksäcken, Stöcken und lockeren Schritten. Doch sie ziehen vorbei, weiter oben, quer über die nächste Wiese, auf den Hang gegenüber.

„Was, was?“, ruft die Ringdrossel. „Sie ziehen weiter, weiter!“

Die Waldmaus richtet sich auf. „Hey, hey… das hier ist unsere Alm!“ ruft sie der vorbeiziehenden Herde nach.

Das Raufußhuhn blinzelt. Es sieht den aufgewibelten Staub, der noch in der Luft steht. Horcht den leiser werdenden Glocken nach, bis sie schliesslich Wald verschwinden.

„Vielleicht nächstes Jahr“, seufzt die Waldmaus traurig.

Das Raufußhuhn schweigt. Es blickt zur Hütte. Die Brennesseln wachsen. Die Hüttentüre zu, die Fensterläden sind geschlossen Was wohl der morgige Tag bringen mag?

03 Die Herde

oder vom Leben mit den Menschen

Das erste Läuten kommt früh. Noch bevor der Tau verschwunden ist. Das Raufußhuhn hebt den Kopf. „Hört ihr das?“

„Sie kommen, sie kommen wieder“, sagt die Ringdrossel von ihrem Ast. „Ich hör sie auch, hör sie auch.“

Das Raufußhuhn schüttelt sich leicht. Es mag diesen Moment. Dieses „Noch-Nichts“, das voller „Gleich-Gehts-Los“ ist. Am Rand der Wiese sitzt die Waldmaus und schnuppert. „Ich hoffe, es sind wieder die mit den Geißen“, sagt sie. „Die Geißen lassen immer gute Spuren.“

„Oder die mit den Kälbern“, bemerkt der Grashüpfer. „Die treten mir zwar fast auf den Kopf, aber wo sie gegrast haben, ist das Licht am schönsten.“

Und wirklich ein paar Stunden später kommen sie. Zuerst die junge Geiß mit der klirrenden Glocke, dann die ganze Herde – bockig, rufend, schubsend. Hinter ihnen: Menschen mit Rucksäcken, Stöcken und lockeren Schritten. Doch sie ziehen vorbei, weiter oben, quer über die nächste Wiese, auf den Hang gegenüber.

„Was, was?“, ruft die Ringdrossel. „Sie ziehen weiter, weiter!“

Die Waldmaus richtet sich auf. „Hey, hey… das hier ist unsere Alm!“ ruft sie der vorbeiziehenden Herde nach.

Das Raufußhuhn blinzelt. Es sieht den aufgewibelten Staub, der noch in der Luft steht. Horcht den leiser werdenden Glocken nach, bis sie schliesslich Wald verschwinden.

„Vielleicht nächstes Jahr“, seufzt die Waldmaus traurig.

Das Raufußhuhn schweigt. Es blickt zur Hütte. Die Brennesseln wachsen. Die Hüttentüre zu, die Fensterläden sind geschlossen Was wohl der morgige Tag bringen mag?

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