Farnese tritt aus dem Schatten
Irgendwann mitten in meinen Recherchen war er einfach da: Alessandro Farnese. Zuerst als Name, als Bauherr, als historische Figur am Rande der großen Kunstgeschichte vom Barock. Und dann fast unmerklich begann er sich zu lösen aus den Quellen, aus den Jahreszahlen und aus den Fußnoten. Er trat aus dem Schatten und stellte sich in die Mitte des Raumes als hätte er dort schon immer gestanden. Als Figur, als Träger einer symbolhaften Geschichte.
Eine Figur beginnt zu sprechen
Als ich also die ersten Zeilen des Farnese-Zyklus schrieb merkte ich, dass es sich anfühlte wie ein Sprechen mit jemandem, der eine eigene Meinung hatte. Farnese war nicht freundlich oder gefällig, er war eher fordernd, klar, manchmal hart. Er akzeptierte keine halben Sätze. Ich hatte das Gefühl, er benutzt meine Sprache um etwas zu sagen, das längst überfällig war.
Der Barock findet sein Gesicht
Je weiter der Zyklus wuchs umso deutlicher wurde mir: Durch Farnese bekam der Barock ein Gesicht als jemand, der Mittel, Macht und Imagination bündelt und sagt: Wir bauen das jetzt einfacxh! In dieser Figur verband sich Politik mit Vision, Ehrgeiz mit Glut. Der Barock hörte mit ihm auf, ein abstraktes Feld zu sein. Er wurde eine Stimme, die ich plötzlich kannte oder erkannte, wie auch immer.
Schreiben als Durchgang
Beim Schreiben hatte ich immer wieder den Eindruck, dass die Geschichte durch mich durchlief. Die Sätze kamen daher als würden sie sich ihren Weg selbst suchen. Ich musste nur wach genug sein um sie aufzuschreiben. In diesem Zyklus wurde mir zum ersten Mal klar, dass Il Gesù 2.0 nicht aus einem Konzept entstehen würde sondern aus solchen Momenten, in denen ich zum Durchgang werde. Farnese war dafür das erste große Portal und dann entstand auch der Text zu Il Gesù 2.0. Die Auseinandersetzung mit der Figur Alessandro Farnese war dafür entscheidend.