Tiere auf der Alm

Die Tiere spüren dass sich etwas verändert

02 Die Ringelnatter

oder vom Wachsen das nicht wartet

Das Rascheln ist echt. Nicht laut und auch nicht bedrohlich. Es kommt aus dem Laub unter dem Brunnen. Dort lebt die Ringelnatter. Sie ist meistens ganz allein. An diesem Morgen aber hebt sie den Kopf, schiebt sich langsam aus dem feuchten Moos und sieht zum Raufußhuhn hinüber.

„Du da,“ zischt sie leise, „ich habe mich mal wieder gehäutet und weißt du was? Es kam mir so vor, als wäre die Haut doppelt so schwer wie sonst gewesen.“

Ganz aufmerksam und neugierig beugt sich das Raufußhuhn ein wenig vor, sagt aber nichts.

„Noch nie war’s so mühsam,“ beklagt sich die Natter. „Ich hab alle Kraft gebraucht. Hab mich gescheuert, gewunden, gepresst und dachte schon, ich schaff’s nicht. Ich hatte noch nie, wirklich noch nie so eine Mühe, die alte Haut loszuwerden.“

Sie seufzt, so leise wie nur Schlangen seufzen können. „Ich hab mich dann hier vergraben. Unter deinem Baum, weißt du. Im Moos. Ich brauchte einfach eine Rast.“

Und das Raufußhuhn nickt. Langsam dreht es sich um, tritt vorsichtig zwischen die Latschen. Es macht sich auf den Weg durch feuchte Zweige und über wurzelige Erde. Der Pfad den es schon immer benutzte, scheint noch da zu sein und doch ist er irgendwie anders. Hier ein Zweig, der sonst nicht da war. Irgendwie auch mehr Schatten, so kommt es dem Rauhfusshuhn vor. Es war noch nicht undurchdringlich aber doch fast zugewachsen.

Das Huhn bleibt stehen. Es dreht den Kopf in alle Richtungen. Es riecht ganz anders, denkt das Huhn, da ist weniger Wind, dafüt mehr Gebüsch.

„War das hier nicht offener?“, murmelt es.

Am Rand des Brunnens sitzt die Waldmaus. Sie zupft an einem Grasbüschel und sieht auf. „Mir kommt’s vor, als wäre das Moos nasser als sonst“, sagt sie. „Und die Sonne braucht auch viel länger bis hierher.“

Ein Zirpen kommt von unten. Ein Grashüpfer streckt seine Beinchen. „Ich spring nicht mehr so weit wie früher“, sagt er. „Vielleicht wächst mir was über den Kopf.“

Und von oben, ganz nah an der Rinde einer Kiefer, flüstert die Ringdrossel: „Mir kommt auch vor, als hätten wir hier oben weniger Luft und dafür mehr Äste und Blätter.“

Alle schauen sich an. Sie ahnen irgendwie, daß irgendwas anders geworden ist. Ein sanfter Windstoß. Leicht. Und er trägt etwas mit sich: ein Geräusch. Es ist ein gewohntes Geräusch und alle haben dieselbe Frage : Kommen sie jetzt?

Die Tiere spüren dass sich etwas verändert

02 Die Ringelnatter

oder vom Wachsen das nicht wartet

Das Rascheln ist echt. Nicht laut und auch nicht bedrohlich. Es kommt aus dem Laub unter dem Brunnen. Dort lebt die Ringelnatter. Sie ist meistens ganz allein. An diesem Morgen aber hebt sie den Kopf, schiebt sich langsam aus dem feuchten Moos und sieht zum Raufußhuhn hinüber.

„Du da,“ zischt sie leise, „ich habe mich mal wieder gehäutet und weißt du was? Es kam mir so vor, als wäre die Haut doppelt so schwer wie sonst gewesen.“

Ganz aufmerksam und neugierig beugt sich das Raufußhuhn ein wenig vor, sagt aber nichts.

„Noch nie war’s so mühsam,“ beklagt sich die Natter. „Ich hab alle Kraft gebraucht. Hab mich gescheuert, gewunden, gepresst und dachte schon, ich schaff’s nicht. Ich hatte noch nie, wirklich noch nie so eine Mühe, die alte Haut loszuwerden.“

Sie seufzt, so leise wie nur Schlangen seufzen können. „Ich hab mich dann hier vergraben. Unter deinem Baum, weißt du. Im Moos. Ich brauchte einfach eine Rast.“

Und das Raufußhuhn nickt. Langsam dreht es sich um, tritt vorsichtig zwischen die Latschen. Es macht sich auf den Weg durch feuchte Zweige und über wurzelige Erde. Der Pfad den es schon immer benutzte, scheint noch da zu sein und doch ist er irgendwie anders. Hier ein Zweig, der sonst nicht da war. Irgendwie auch mehr Schatten, so kommt es dem Rauhfusshuhn vor. Es war noch nicht undurchdringlich aber doch fast zugewachsen.

Das Huhn bleibt stehen. Es dreht den Kopf in alle Richtungen. Es riecht ganz anders, denkt das Huhn, da ist weniger Wind, dafüt mehr Gebüsch.

„War das hier nicht offener?“, murmelt es.

Am Rand des Brunnens sitzt die Waldmaus. Sie zupft an einem Grasbüschel und sieht auf. „Mir kommt’s vor, als wäre das Moos nasser als sonst“, sagt sie. „Und die Sonne braucht auch viel länger bis hierher.“

Ein Zirpen kommt von unten. Ein Grashüpfer streckt seine Beinchen. „Ich spring nicht mehr so weit wie früher“, sagt er. „Vielleicht wächst mir was über den Kopf.“

Und von oben, ganz nah an der Rinde einer Kiefer, flüstert die Ringdrossel: „Mir kommt auch vor, als hätten wir hier oben weniger Luft und dafür mehr Äste und Blätter.“

Alle schauen sich an. Sie ahnen irgendwie, daß irgendwas anders geworden ist. Ein sanfter Windstoß. Leicht. Und er trägt etwas mit sich: ein Geräusch. Es ist ein gewohntes Geräusch und alle haben dieselbe Frage : Kommen sie jetzt?

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