Szene:
Ein Theater ohne Zuschauer. Die Sitze sind leer, aber warm. Auf der Bühne steht ein Stuhl. Macbeth sitzt darauf. Du gehst durch den Orchestergraben, leer wie ein stillgelegter Gedanke.
—
Du:
Heute – Kultur.
Und Menschen.
Macbeth (blickt ins Dunkel):
Beides klingt wie Applaus nach einer schlechten Vorstellung.
Du:
Warst du je Teil einer Kultur?
Macbeth:
Ich war ihr Produkt.
Dann ihr Problem.
Dann ihr Stoff.
Du:
Was bedeutet sie dir – Kultur?
Macbeth:
Ein dünner Lack auf dem Rohholz des Begehrens.
Sie macht den Wolf salonfähig.
Du:
Das klingt… ernüchtert.
Macbeth (leise):
Ich habe höflich getötet.
Mit Dekreten. Mit Zeremonie.
War das keine Kultur?
Du:
Und die Menschen?
Macbeth:
Formbar. Vergesslich.
Sie rufen „Hoch!“ wenn du sie fütterst. Und „Hinfort!“ wenn du ihnen zeigst, wer sie sind.
Du:
Du hast sie verachtet.
Macbeth:
Ich habe sie gebraucht.
Und was man braucht, liebt man selten.
Du:
Gibt es Hoffnung?
Macbeth (hebt den Blick):
Im Theater vielleicht.
Solange einer noch spielt, statt zu herrschen – ja.
Solange Worte noch Zweifel säen – ja.
—
Ein Lichtstrahl fällt auf die Bühne. Macbeth steht auf, verbeugt sich. Kein Applaus.
Ein einzelner Gedanke bleibt zurück:
„Kultur ist, was von uns spricht, wenn wir schweigen.“
Fin.