Szene:
Ein Raum ohne Wände. Nur ein Tisch, zwei Stühle, ein Spiegel ohne Reflexion.
Auf dem Tisch liegen drei Dinge: ein Dolch, ein Buch, ein Stück Brot. Macbeth sitzt bereits. Du kommst langsam näher.
—
Du:
Macbeth. Ich möchte mit dir über Werte sprechen.
Macbeth (blickt auf das Brot):
Ein schönes Wort.
Es riecht nach Predigt und klingt wie Stein.
Du:
Was waren deine Werte?
Macbeth (lacht trocken):
Notwendigkeit.
Möglichkeit.
Schweigen.
Du:
Das sind keine Werte. Das sind Strategien.
Macbeth:
Genau.
Werte sind, was andere sehen sollen.
Strategien sind, was man wirklich hat.
Du:
Du glaubst nicht an Wahrheit?
Macbeth:
Wahrheit ist ein Gewand.
Man trägt es, bis es blutig ist – dann wechselt man es.
Und nennt das Wandel.
Du:
Und Gerechtigkeit?
Macbeth:
Ist ein Spiel für Unverletzte.
Du:
Gab es je einen Moment, in dem du geglaubt hast, richtig zu handeln?
Macbeth (langsam):
Ja.
In dem Augenblick, bevor ich es tat.
Danach nie wieder.
Du:
Also keine Werte?
Macbeth (blickt auf den Dolch):
Nur einen:
Was getan ist, ist getan.
Und wer zögert, stirbt langsamer.
—
Ein Windhauch. Der Spiegel zeigt jetzt etwas: dich. Du siehst aus wie Macbeth.
Ein letzter Satz weht durch den Raum:
„Werte sind das, worauf man schwört – und später schweigt.“
Fin.